Die Wahrheit über die Schlacht bei Helms Klamm

Aus den Wäldern Lothlóriens machten wir uns auf den Weg. Haldir, Hauptmann des Elbentrupps, der zunächst nach Bruchtal marschieren würde, hatte sich geweigert, mich mitzunehmen. Zugegeben waren wir selten einer Meinung, und sicherlich waren wir auch nicht unbedingt die besten Freunde. Doch nachdem Galadriel die Unterstützung in der Schlacht bei Helms Klamm zugesichert hatte, hatte ich mich heimlich unter die Elben gemischt. Unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze konnte er mich nicht erkennen. Obwohl ich ein Halbling war, eine Mischung aus Elb und Mensch, hatte ich genauso blondes Haar, wie Haldir. Ich hielt meinen Bogen vor der Brust am ausgestreckten Arm, wie es auch die anderen taten. Auf Befehl des Hauptmannes richteten wir uns nach rechts und warteten geduldig. „Aufbruch!“, erklang die tiefe Stimme des Hauptmannes und wir marschierten los. Weg von Galadriel und auf nach Bruchtal. Von Bruchtal aus führte uns der Weg nach Helms Klamm, wo Aragorn und Legolas schon auf uns warteten. Gandalf hatte Edoras ebenfalls verlassen um die Reiter von Rohan zu gewinnen, die sich nach Grimas Einmischung in Theodens Regiment und nach der von ihm ausgesprochenen Verbannung, zwar nicht von Rohan, aber von Theoden abgewandt hatten. Es war pechschwarze Nacht, als wir Helms Klamm erreichten. Haldir ließ uns hinter ihm aufmarschieren. Direkt hinter ihm stand ich. Unangenehm war mir das. Sein Blick glitt einmal über die Reihen seiner Elbenkrieger und seine Augenbraue hob sich wissend, als der wache Blick seiner Augen mein Gesicht streifte. Schnell senkte ich den Blick noch tiefer und ließ die Dunkelheit unter der Kapuze mein Gesicht verschlucken. Aragorn und Legolas kamen die Treppen hinunter und waren von Haldirs Ankunft und den Elben sichtlich überrascht. „Haldir!“, brachte Aragorn im Moment der Überraschung nur heraus. „Ich bringe Kunde von Elrond von Bruchtal. Einst bestand ein Bündnis zwischen Elben und Menschen. Vor langer Zeit kämpften und starben wir Seite an Seite. Dies Bündnis wird nun erneuert“, begann Haldir mir viel sagendem Blick. „Ihr seid wahrlich willkommen, Freund!“, nahm Aragorn dankend an und schloss den anderen kurz in seine Arme. Eine Geste, die Weit tiefer ging, als die Worte Haldirs es getan hatten. „Wieder mit den Menschen in die Schlacht zu ziehen, erfüllt uns mit Stolz.“ Haldirs Worte versetzten mir einen Stich. Zornig presste ich die Lippen aufeinander. Seit meiner Kindheit war ich im Hause Galadriels gelehrt worden zu kämpfen, doch immer hatte Haldir nur betont, wie abnormal ich sei. Gewiss, ein Halbelb, wie ich, würde es immer schwer haben sich in die eingeschworene Gemeinschaft zu integrieren, doch noch nie, war ich so beleidigt worden. Für den Moment schluckte ich meinen Ärger runter und wandte mich mit den anderen Elben um. Nur wenige Schritte brachten mich von Haldir weg, als ich eine Hand an meiner Schulter spürte. Sie fasste fest zu und rutschte dann zu meinem Handgelenk hinab um mich erbarmungslos hinter sich her zu schleifen. In einer dunkleren Ecke, als der schon schwarze Nachthimmel, wurde ich in eine Nische gedrängt. Ich wusste, wer es war. Deswegen schob ich auch die Kapuze des Mantels nicht von meinem Kopf. „Was tust du hier!“, fuhr mich Haldir an. Gelassen hob ich den Kopf. „Meine Pflicht erfüllen“, entgegnete ich. Haldir sah mich verständnislos an. Der Griff seiner Hand um mein Handgelenk wurde noch fester. „Das sehe ich. Doch das hier ist nicht dein Kampf, Alliaria!“ Der Klang meines Namens aus seinem Mund klang trotz der schärfe seiner Stimme samtweich. Mein Blick hing an seinen Lippen. „Du bist noch längst nicht so weit“, meinte er. Ich fegte wütend seine Hand beiseite. „Ich trage hier meinen Teil bei, wie es alle tun. Und da wirst du, Haldir, mich auch nicht daran hintern.“ „Das kann ich nun nicht mehr, das ist wahr. Galadriel wird mich hinrichten lassen, wenn dir etwas zustoßen sollte. Du gehorchst meinen Befehlen nicht! Was hast du dir dabei gedacht?“, blaffte er regelrecht. „Wahrscheinlich genauso wenig, wie du vorhin!“ Haldir zog sein Gesicht von meinem ein kleines Stück zurück. Er sah mich fragend an, in seinen Augen stand die blanke Wut. „Seit wann erfüllt es dich mit Stolz, mit den Menschen zu kämpfen?“, fragte ich geradeheraus. Er sah mich an, seine Augen weiteten sich kurz, dann verengten sie sich schnell zu Schlitzen. „Was meine wahren Intentionen angeht, werde ich sicher nicht diskutieren. Und schon gar nicht mit dir!“ Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Nie hatte ich eine so ablehnende, gar hasserfüllte, Aura gegenüber einem Menschen erlebt. Ich dachte zurück an die Geschichten um Elrond und Isildur, welche gemeinsam gegen Sauron gekämpft hatten. „WAS ist eigentlich DEIN Problem?“, brachte ich mit Mühe diese Frage hervor. Haldir ließ seine Augen über meine Erscheinung gleiten. Dann stieß er sich weg von mir und wandte sich um, um in der Dunkelheit zu verschwinden. Nicht viel später in dieser Nacht konnte man das dumpfe vibrieren des Bodens spüren, das in alle Mauern getragen wurde. Legolas und Gimli standen bereit auf dem ersten Wall und erwarteten die Orks, die zu Tausenden unten gegen die massiven Mauern der Feste rannten. „Was geht da unten vor?“, fragte Gimli, der gerade so weit reichte, dass er eine Linie mit den Zinnen bilden konnte. Legolas warf ihm einen amüsierten Blick zu. „Nun, ich könnte es dir beschreiben… oder soll ich lieber eine Kiste besorgen!“ Während Gimli fluchen in seinen Bart grummelte, verging mir das Lächeln, als ich einen Blick nach hinten warf. Wenige Meter neben mir stand Haldir. Seine Haltung zeugte von Anspannung und seine Gesichtszüge, die fein geschnitten eben die eines Elb waren, waren vor Sorge über die einfallende Übermacht der Orks verzerrt. Alle in Helms Klamm hatten sich auf diese Stunde vorbereitet. Nicht nur Männer, die bei bester Gesundheit und erfahren im Kampf waren, standen bereit. Auch Alte und Kinder, die ein Schwert zwar zu halten vermochten, aber nicht wussten damit umzugehen, standen zwischen den Kriegern. Es war ein Anblick, der gemischte Gefühle in mir weckte. Einerseits bewunderte ich den Mut, mit dem vor allem die Kinder in die Schlacht sahen. Doch andererseits wusste ich, wie die meisten hier, dass wir so gut wie keine Chance hatten. Einzig Gandalf und die Reiter Rohans bildeten den winzigen Schimmer Hoffnung, die uns allen hier den Mut und die Kraft gab, uns einer Übermacht zu stellen. „Bogenschützen!“, erklang Aragorns Stimme und ich hob gemeinsam mit meinen Brüdern und Schwestern meinen Bogen. Ich legte einen Pfeil auf die Sehne. Er fühlte sich leicht und beseelt an. Doch wahrscheinlich war es nur die Angst, die auf ihm ritt. „Feuert ab!“ kam der Befehl und die erste Salve Pfeile regnete in der Dunkelheit der lodernden Fackeln am Boden auf die Orks nieder. Sogleich erklang der Befehl eine neue Salve nachzuschicken. Diesmal jedoch brennende Pfeile. Die Orks sanken getroffen zu Boden und auch einige wenige Uruk-hai. Doch dann erschienen die Trümmertrolle, die den Rammbock und die Katapulte schoben und im Zuge dessen nutzten die Orks den Moment der Unachtsamkeit und versuchten mit Leitern den Wall zu erklimmen. Legolas und Gimli machten sich daran, die heraufkletternden Feinde mit dem Schwert und der Axt niederzumähen. „Legolas, 2 hab ich schon!“ „Ich bin schon bei 17!“, erwiderte dieser und Gimli fing an zu brummen. Es dauerte nicht lange und der erste Ansturm der Orks ebbte ab. Doch bei einem schnellen Blick in die Runde stellte ich fest, dass unsere Verluste und die Anzahl der Verletzten groß waren. Ich eilte hinunter in den inneren Ring und entdeckte durch Zufall, wie sich Haldir unter einem toten Uruk hervor grub. Auf seiner Brust war eine tiefe Schnittwunde zu sehen und als er mich sah, wie ich mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze an ihm vorbei eilen wollte, winkte er mich zu sich heran und bat mich ihm zu helfen. Mit Herzklopfen folgte ich seinem Wunsch und stützte ihn, als wir in den inneren Ring zurückkehrten. In einer kleinen Kammer, in der sich ein einfaches Lager befand, ließ sich Haldir nieder. Seine blonden Haare waren leicht zerzaust und hingen in Strähnen über seine Schultern. Nur mit Mühe brachte er es fertig seine Kleider zu öffnen und die Brust frei zu machen. Ich sog scharf Luft ein und spürte die verräterische Röte ins Gesicht schießen. Das schmerzerfüllte Stöhnen des Hauptmannes aus Lothlórien holte mich schnell in die Realität zurück. Ich schälte mich aus dem Umhang, und sah, dass Haldir nicht einmal die Stirn runzelte. Er musste also gewusst haben, dass ich diejenige war, die er um Hilfe gebeten hatte. „Du musst die Wunde säubern!“, wies mich der Verletzte an und ich sah in seinem verschwitzten Gesicht die Anstrengung. Schnell verschwand ich und kehrte mit einer nahezu winzigen Schale voll Wasser zurück. Mehr gab die angebrochene Feste nicht her. Ich tauchte einen Streifen Stoff von meinem Umhang in das kühle Nass und begann damit die Wunde Haldirs zu reinigen. Lautes Stöhnen drang an meine Ohren. Nicht von Haldir, denn der presste die Lippen aufeinander. Auch rund um unser Lager wurden Verletzte versorgt. Einigen von ihnen würde es nicht vergönnt sein, die Schlacht um Helms Klamm zu überleben. Nachdem ich Haldirs Wunde gesäubert hatte wollte ich ihm einen dünnen Leinenverband anlegen. Er sollte die Wunde vor Verunreinigung schützen und wenn sich Haldir nicht bewegen würde, würde sich sogar schon erster Schorf zum Morgen hin bilden. Haldirs Gesicht war schweißnass, sodass ich es zögerlich mit einem nassen Tuch reinigte. Er glühte und ich hoffte, dass er keinen Wundbrand bekommen würde. Ich beschloss mich zu beeilen. Die Kräuter, die ich von Eowyn bekommen hatte breitete ich über der Wunde aus und verband diese dann mit einem Streifen meines Leinenhemdes. Plötzlich legte sich Haldirs Hand in meinen Rücken und er zog mich zu sich hinunter. Ich wehrte mich nicht, da ich annahm, dass er mir etwas sagen wollte. Er brachte seine Lippen nah an meine Wange. „Alliaria“, raunte er in mein Ohr. „Ja?“ Plötzlich war all der Ärger, den ich vor ein paar Stunden noch empfunden hatte, wie weggeblasen. „Wie viele Tote…?“, fragte er mit trockenem Mund, sodass ich ihm die Schale mit frischem Wasser reichte. Nachdem er einen gierigen Schluck genommen hatte schien es ihm erheblich besser zu gehen. „Wir werden Helms Klamm verlieren“, sagte ich geradeheraus. Haldir nickte schwach. Auch er schien nicht daran zu glauben, dass Gandalf rechtzeitig zurück sein würde um uns noch vor dem Schlimmsten zu bewahren. „All die Hoffnung, die wir hatten“, begann Haldir erneut zu sprechen. „Frodo ist unsere einzige Hoffnung!“ Ich rang mich zu einem wenig ehrlichen Lächeln durch und erreichte, dass Haldir sich vor Schmerzen zusammenkrümmte. „Die Kräuter dürften bald wirken“, sagte ich und richtete mich auf. Haldir packte mein Handgelenk, doch diesmal wesentlich sanfter. Ich sah ihn an. Er zog mich zurück und brachte noch einmal seine Lippen an mein Ohr. „…Bund…“, hörte ich nur aus seinem Satz heraus und riss die Augen auf. Instinktiv wollte ich zurückzucken. Er hatte mir den Bund angeboten. Wie schon einmal. „Aber…“, begann ich mich zu wehren. Haldir sah mich eindringlich an. „Willst du ihn noch einmal ablehnen?“ „Ich… damals…“, stotterte ich und sah ihn an. Er zog mich an seine Brust. „Lass uns hier und jetzt den Bund eingehen.“ Er nahm meine Lippen gierig in Beschlag und stieß mit seiner warmen Zunge gegen meine geschlossenen Lippen. Ich zögerte, doch dann ließ ich ihn eindringen und empfing ihn mit meiner Zunge. „Mhh…“ Ich sank in seinen Armen nieder und spürte, wie mich, trotz der brisanten Lage, eine nie gekannte Erregung überrollte. Ich tastete über seine Brust und fuhr langsam mit den Fingerspitzen über seine Wunde. Ein kurzes Zucken verriet mir, dass sie Verletzung ebenso gegenwärtig war, wie auch die Bedrohung durch die Orks. Dann tastete ich mich weiter. Ich vergaß allen Ärger gegen ihn und schob meine Hand zwischen seine Beine. Ein kurzes Aufzucken, gefolgt von einem verlangenden Stöhnen bewog mich dazu, schnell unter den Stoff zu greifen und seinen heißen, längst steifen Muskel in die Hand zu nehmen. Pulsierend lag er nun in meiner Hand und ich begann an ihm auf und ab zu reiben. Anscheinend gefiel das Haldir, denn er begann lustvoll zu knurren. Er zog meine Hand weg und bettete mich auf dem provisorischen Lager. Sein langes, blondes Haar fiel in Strähnen in sein Gesicht und kitzelte meine Lippen. Seine blauen, durchdringenden Augen musterten mich, aber nicht mit jener Abfälligkeit, wie ich sie in den letzten Jahren erlebt hatte. Sie sahen sanft und liebevoll auf mich herab. „Du warst abweisend zu mir, weil ich dich damals abgelehnt habe!“, stellte ich fest. Meine Stimme brach, weil ich vor Lust schier zu vergehen glaubte. Wie zur Bestätigung meiner Worte beugte sich Haldir wieder zu mir hinunter und begann meinen Hals zu küssen. Seine Hand schob sich geschickt unter mein Hemd und tastete nach der Rundung meiner Brust. Kaum dass er diese gefunden hatte, nahm der meine steifen Nippel zwischen die Finger und begann sie zu reiben. Ich stöhnte auf und wollte ihn küssen, doch er hielt mich zurück. „Nicht“, bat ich leise und fuhr mit den Fingern über seine Erektion, die sich steif unter dem Stoff seiner Hose abzeichnete. Sein Stöhnen ließ mich nur noch mehr nach ihm gieren und ich befreite ihn. Seine harte Lanze sprang mir sogleich entgegen und ich nahm sie in die Hand. Mit gespitzten Lippen küsste ich seine heiße Spitze, die schon stark geschwollen war. Nur noch ein paar Augenblicke würden mich von der Vereinigung trennen. Haldir hatte von meinen Brüsten abgelassen und war unter meine Hose geschlüpft, nur um doch zwischen meine Schenkel zu gleiten. Seine Hand schob sich tastend voran und ein Finger teilte meine Schamlippen und glitt frivol zwischen sie. Das Reiben an meiner Perle wenige Sekunden später ließ mich wohlwollend aufquietschen und ich stahl ihm endlich den lang ersehnten Kuss. Während unsere heißen Zungen einen Kamp austrugen, rieb er mich sanft und mal fester, bis ich es nicht mehr aushielt und seinen Schaft zu reiben begann. Wenig später kniete ich mich mit gespreizten Beinen über ihn und fasst nach seinem Riemen. Ich brachte ihn in die richtige Position und seufzte zufrieden auf. Seine harte Spitze lag zwischen meinen Schamlippen vor dem Eingang in meine nasse Grotte und ich begann mich langsam auf ihn nieder zu lassen. Als seine Eichel in mir versunken war, wagte ich es, den Blick, den ich bisher nur auf seinen muskulösen Bauch geworfen hatte, zu heben. Er erwiderte das scheue Lächeln, das ich ihm schenkte. Dann packte er mich mit einem Nicken um die Hüft und begann seinen Riemen fest in mich zu drängen. Ich war feucht genug, dass er sofort in mir verschwand und sofort stieß er tief in mir gegen meine Gebärmutter. Er füllte mich vollständig aus, ich konnte jedes Pulsieren spüren, auch seine Bewegungen. Ich lehnte mich nach hinten und stützte mich auf seinen Beinen ab. Dann begann ich mich langsam und vorsichtig, dann schneller und wilder zu bewegen. Bald schon, ohne viel zutun, war auch sein Riemen so feucht, dass er wie von allein in mich glitt und mich von innen heraus massierte. „Haldir…“, keuchte ich benommen während ich ihn ritt. Seine Hände an meinen Hüften dirigierten mich mal schneller, mal langsamer hinauf und hinunter. Dann stoppte er meinen Ritt und ließ seinen nassen Kolben zwischen meinen Lippen verharren. „Nicht“, wimmerte ich und er trieb ihn mir mit einem einzigen harten Stoß wieder in die Grotte. Mit einem spitzen Schrei begrüßte ich ihn aufs Neue. „Fester…“, murmelte ich und spürte, wie Haldir sich aufzurichten versuchte. Er entzog mir noch mal seinen Riemen und zwang mich auf die Knie. Dann kniete er sich hinter mich und begann meine Perle zu reiben. Seine Lanze wartete an meinem Eingang und drang nur Stück für Stück in mich vor. In dieser Stellung war das ein ganz anderes Gefühl, als er mich dann mit immer schnelleren Stößen nahm. Immer lauter wurden mein Keuchen, sein Knurren und das geräuschvolle Schmatzen, wenn unsere intimsten Zonen nass von unserer Leidenschaft aneinander prallten. Es machte mich heiß und ich wollte mehr. Mehr. Haldir zog sich ein letztes Mal aus mir zurück und stand auf. Er umfing mich in einem Kuss voller Gier und Leidenschaft und legte sich im Stehen eines meiner Beine um seine Hüften. „Ahhhhhnnng!“, keuchte ich, als er mit etwas Mühe so zwischen meine Schenkel glitt und sich wild in mir bewegte. „Alliaria!“, keuchte er und bewegte sich schneller und stockender. Das konnte nur bedeuten, dass er nahe daran war zu kommen. Ich bewegte mich ihm entgegen und fuhr mit meinem Fingerspitzen über meine Perle, als es mich einfach wegriss. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, so überwältigt war ich von dem Orgasmus, der durch meinen Körper rollte. In dieser Nacht kamen die feindlichen Orktruppen durch einen Abwasserschacht, der den einzigen Schwachpunkt der Feste darstellte. Als wir schon alle Hoffnung aufgegeben hatten und gegen eine schier endlose Übermacht kämpften, erschien Gandalf auf seinem Schimmel am Horizont. Hinter ihm die Reiter Rohans, die trotz aller vergangenen Schicksalsschläge und Intrigen immer noch treu ihrem König und ihrem Land dienten. Das Schicksal wendete sich.

2 Kommentare 21.11.10 13:18, kommentieren

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Seelensammler II

Ich erwähnte den Vorfall nicht. Weder am folgenden Tag, noch danach irgendwann. Tiades schien auch nicht das geringste Verlangen danach zu verspüren, ein Wort über diesen Vorfall zu verlieren. Im Gegenteil: Er sprach nicht einmal mit mir. So bekam ich immer mehr das Gefühl, dass ich nur eine Last für die anderen war, die mich auch noch zu einem vollständi-gen Wächter der Nacht machen mussten. Und da ich mich nicht nur mit Händen und Füßen gegen diese Ausbildung wehrte, sondern auch mein Geist sich mehr und mehr verschloss, stellte meine Ausbildung für die anderen fünf eine mehr als schwierige Herausforderung dar. Was den theoretischen Teil meiner Ausbildung anbetraf, so musste ich zugeben, dass ich die-sen Teil mehr genoss als alles andere, denn dort konnte ich mich in die Bibliothek des Schlos-ses verziehen, wo mir die Bücher, wie seit jeher schon, mehr als treue Begleiter waren. Eines Tages betrat Fiare die Bibliothek, auf der Suche nach mir. Ich fürchtete, dass es sich um Tiades handelte und versteckte mich in einem düsteren Gang. Als ich dann an den Schritten erkannte, dass es sich um Fiare handelte, die in einem schwarzen Tüllrock durch die Regale streifte. Ich trat zwischen den Regalen hervor und stellte mich ihr abwartend entgegen. Fiares Blick erhellte sich, als sie mich mit zwei dicken Büchern unter den Armen vor sich stehen sah. Mir erging es ähnlich, denn ich mochte sie mittlerweile sehr. „Tiades will dich sehen!“, verkündete sie die Botschaft und sofort bekam ich ein beklemmen-des Gefühl. Ich nickte nur mechanisch, denn ich wusste was kommen würde. In der prakti-schen Übungsstunde, wenn ich mal eine hatte, würde ich durch Tiades´ bedrohliche Gestalt wieder nicht in der Lage sein, auch nur einmal meine Präsenz zu verschleiern. Das war das Wichtigste, wenn man sich auf den Weg in die Menschenwelt machte um die Seelen der Tod-geweihten auf ihren bevorstehenden Weg ins Jenseits vorzubereiten. Man kam dabei natürlich auch oft in Berührung mit jenen Todgeweihten, die sich gegen den Tod sträubten und dement-sprechend auch viele Schwierigkeiten machten. Man kam als Wächter der Nacht, der eigent-lich nichts anderes ist, als ein Todesengel, auch mit den Menschen in Berührung, die durch das Verschulden anderer gestorben sind, wie Opfer von Mördern oder auch Kinder, die von ihren Peinigern nach dem Missbrauch einfach getötet wurden. Mit diesen Gedanken schlich ich hinter Fiare her. Tiades erwartete uns in einer großen Halle, Karas kam uns entgegen, er sah alles andere als glücklich aus, denn seinem Blick war deutlich zu entnehmen, dass er ein hitziges Gespräch mit Tiades hinter sich hatte. Tiades trug dieses Mal eine schwarze Hose, die sich eng um seine Beine spannte, darüber ein normales schwarzes Hemd. Außerdem hatte er sich einen schwarzen Mantel angezogen. Der bauschte sich hinter ihm auf, als er sich zu uns umwandte. Sofort sperrte ich mich innerlich, denn sein Blick war kalt und gleichgültig. Ab-weisend. Fiare runzelte sofort die Stirn. Ich ließ die Bücher zu Boden gleiten und setzte ein mürrisches Gesicht auf, um mir nicht anmerken zu lassen, dass ich eigentlich Angst hatte. Tiades reagierte immer sehr ungehalten, wenn ich meine Aufgaben nicht erfüllte. Tiades zog seinen Mantel aus. Er ließ ihn achtlos zu Boden gleiten und fixierte mich aus schmalen Au-gen. „Du weißt, was zu tun ist“, erklärte er und ich nickte steif. Ich ballte die Hände zu Fäusten, schloss die Augen und versuchte mich auf mein Innerstes zu konzentrieren. Ich versuchte meinen Geist einzufangen, ihm seiner Präsenz zu berauben, wenn ich ihn dann sah, doch ich konnte ihn nicht entdecken. Ich schien mich innerlich wieder gesperrt zu haben. Schließlich seufzte ich, öffnete wieder die Augen und sah hilfesuchend zu Fiare. Die sah mich besorgt an. „Ich kann es nicht“, flüsterte ich. Tiades seufzte ebenfalls, kam dann auf mich zu. „Es kann auch nicht klappen, wenn du ihr Angst machst!“, wetterte Fiare. Tiades´ Augen blitzten gefährlich. Ich wich vor den beiden zurück. „Wie soll sie denn jemals ihre Präsenz erfolgreich verschleiern können, wenn sie sich immer sperrt, sobald du ihr wieder mit Ablehnung begegnest? Du kannst nicht erwarten, dass sie Fortschritte macht… nicht so jedenfalls“, erklärte Fiare. Ihre Stimme war während dem spre-chen immer leiser geworden, je düsterer Tiades´ Gesicht wurde. Sie kam zu mir und ergriff meinen Arm. Sie führte ihre Lippen so nah an mein Ohr, dass ich ihre geflüsterten Worte gut verstehen konnte. „Neuerdings ist er wie ausgewechselt. Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Es tut mir sehr leid, dass du ihn ausgerechnet so kennen lernen musst. Er ist ganz anders. Ruhig und beherrscht. Aber keine Sorge, ich bleibe hier, so kann dir nichts passieren“, versprach sie mir im Flüster-ton. Ich lächelte dankbar, warf dann wieder einen Blick auf Tiades, der den Blick aus dem Fenster gerichtet hatte. Im Profil, wenn er mit einem entspannten Gesicht aus dem Fenster sah, sah er richtig ruhig aus. Seine schwarzen Haare waren zerzaust, sie fielen ihm immer wieder in die Stirn. Dann wandte er den Blick. Diesmal war in seinen Augen keine Abneigung zu lesen, sein Blick war neutral. Den Kopf hatte er leicht gedreht, stand aber immer noch mit den Händen in den Hosentaschen. Seine blauen Augen leuchteten. Ich spürte, wie mein Herz einen Satz machte. So hatte ich ihn bisher noch nie erlebt. Auch Fiare neben mir blickte ihren Bruder mehr verwundert als entsetzt an. Doch binnen von Sekunden hatte er sich wieder ge-fangen und sah uns entgegen. Ich sah, wie seine Augen, die eigentlich von einem tiefen Ko-baltblau waren, immer heller wurden, bis sie fast silbern leuchteten. Ich sah fragend zu Fiare. „Er verschleiert seine Aura. Jetzt können die Menschen ihn nicht mehr spüren“, erklärte sie. „Aber ich habe euch doch damals auch gesehen?! Habt ihr eure Aura nicht verschleiert?“ Fia-re sah mich an. Tiades kam auf uns zu und blieb vor uns stehen. „Deine Seele hatte sich schon von der „irdischen Welt“ gelöst. Sie verweilte schon nicht mehr auf der Seite im Diesseits, sondern befand sich schon auf dem Weg ins Jenseits. Wir haben lediglich verhindert, dass deine Seele sich vorzeitig von deinem Körper löst, denn sie kann die Menschen spüren, deren Leben sich dem Ende entgegen neigt“, beantwortete Tiades meine Frage. Seine Stimme war sanft, nicht wütend. Damit verließ Tiades den Saal. Karas und Manou, das silberhaarige Mädchen, hatten gegen Abend den Palast verlassen um in der wirklichen Welt die Seele einer alten Frau auf den Tod vorzubereiten. Bei alten Menschen war das besonders wichtig, denn sie hatten in ihrem Leben so viel Wertvolles erlebt, was oft verloren ging, wenn die Seele den Körper verließ. Außerdem war es wichtig die Seele eines sterbenden Menschen auf das Verlassen des Körpers vorzubereiten, damit er der Hülle, die er dann hinterließ, keinen Schaden hinterließ. Die Hülle sollte unverletzt bleiben, damit die Menschen sie dann bestatten konnten. Karas und Manou hatten die Wahl gehabt: Entweder die Seele einer sterbenden Frau vorbereiten oder die verbitterte Seele eines Kindes zurückfüh-ren, das durch einen Pedophilen ermordet worden war. Sie hatten sich für die alte Frau ent-schieden, aufgrund der Tatsache, dass erst kürzlich eine Seele so viel Ärger verursacht hatte, dass sie erst einmal genug hatten. Tiades uns Fiare blieben dann mit Aora und mir zurück. Aora war ein ruhiges Mädchen, mit langen schwarzen Haaren, das sich mit großer Hingabe dem Legen von Tarotkarten beschäftigte. Sie sagte mit Vorliebe düstere Schicksale voraus, doch als sie mir die Karten legte, während Tiades und Fiare sich über die weitere Vorgehens-weise einigten, änderte sich das Bild der Karten grundlegend. Aora kniete vor mir und ließ mich die Karten mischen. Denn durch mein Mischen, wurden sie automatisch von meiner Aura umschwirrt und auch in eine bestimmte Reihenfolge gebracht. Tiades sah dem ganzen mit hochgezogener Augenbraue zu, denn er selbst hatte diese Prozedur auch über sich ergehen lassen müssen. Aora hatte jedem Wächter die Karten gelegt und sie hatten tatsächlich unna-türlich oft ein düsteres Schicksal vorausgesagt. Was Aora Tiades allerdings verschwiegen hatte, war, dass seine Karten ihr noch etwas verraten hatte, als nur ein Leben, das von zahlrei-chen Todeslinien durchzogen war. „Wähle deine Karten!“, bat Aora mich mit tonloser Stimme. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen. Dann nahm ich ein paar Karten, wählte sie nach meinem Gefühl aus und legte sie verdeckt auf den Boden vor uns. Aora nickte, legte die anderen Karten weg und nahm meine Hand in ihre. Dann deckte sie eine Karte nach der anderen auf und runzelte, als alle vor ihr lagen und sich ihre Bedeutung offenbarte, die Stirn. „Was siehst du?“, fragte ich alarmiert, weil sie nur auf die Karten starrte und sich völlig in ihnen verloren zu haben schien. „Eine Zukunft, in der dir viele Menschen begegnen, die stark sind. Menschen, die Eindruck auf dich hinterlassen. Menschen, deren Mut und Stärke bewundernswert sind“, deutete Aora die erste Karte. Dann ließ sie ihren Finger über die nächste Karte wandern. Sie verharrte dort eine Weile, fegte dann ein Sandkorn hinunter und wanderte noch einmal darüber. „Zurückgelassen, als du dein neues Leben begonnen hast, hast du nichts. Es gibt niemanden mehr, der dich vermissen wird.“ Ich wusste wie sie es meinte, denn meine Eltern waren vor zwei Jahren gestorben. Aora sah auf. Ihre müde wirkenden Augen bohrten sich in meine. „Jemand wird dir begegnen, der eine tragende Rolle in deinem Leben spielen wird“, prophe-zeite sie. „Wer?!“, schoss es aus mir heraus. Sowohl Tiades als auch Fiare horchten auf. „Ich kann nicht erkennen wie er aussieht. Ich sehe nur schwarz, dunkel…“, murmelte Aora. Ein wenig enttäuscht ließ ich mich zurücksinken. Fiare sah, wie sich ihr Bruder anspannte. „Wir sollten dann auch aufbrechen!“, verkündete sie und nahm so der Situation die Schärfe. Aora packte ihre Karten zusammen und stand auf. „Zwei Seelen müssen zurückgebracht werden!“, erklärte Fiare ungerührt die Situation. Tia-des´ Blick zuckte zu mir hinüber. Fiare folgte seinem Blick und nickte mir zu. „Wir müssen uns aufteilen. Eine der Seelen befindet sich in der Stadt, die Andere versucht zu entkommen. Aora geht mit mir… und du gehst mit Tiades.“ Fiares Blick wurde unruhig, ihre Augen zuckten nervös von mir zu Tiades und wieder zurück. „Dann lasst uns loslegen!“, stimmte Aora einen melancholisch klingenden Singsang an. Sie wandte sich um, strich ihre mit Spitze besetzte schwarze Korsage glatt und richtete die Schlei-fen an ihrem Rock. In ihren langen schwarzen Haaren befanden sich weinrote Bänder, die einen krassen Kontrast zu dem schwarzen Outfit standen. Fiare zog mich mit sich. „Du wirst es schon schaffen“, meinte sie. Sie sagte das allerdings mit weniger Überzeugung als ich anfangs angenommen hatte, „Aora hasst es auf Seelenjagd zu gehen. Deshalb gehe ich meistens mit ihr. Tiades ist es allerdings gewohnt allein zu gehen, aber er hat die meiste Er-fahrung von uns allen. Schließlich ist er schon lange hier!“ „Wie lange denn genau?“, fragte ich. Fiare überlegte einen Moment. „Als ich noch ganz klein war, ich erinnere mich kaum daran, war Tiades schon 18 Jahre alt. Ich habe ihn nur drei Jahre gekannt, dann starb er bei einem Unfall. Als ich dann 16 wurde, machte meine Klasse einen Ausflug zu einem Lager der StaSi in Deutschland. Leider hatte man auf dem Gelände nicht alle Tretmienen gefunden und meine Freundinnen und ich star-ben. Tiades hat mich zu sich geholt. Ohne ihn, wäre ich jetzt sicher nicht hier. Seit diesem Tag sind mehr als 50 Jahre vergangen in denen wir den Seelen der Menschen helfen sich auf den Weg in Jenseits vorzubereiten. Nach einer Weile verliert man hier jegliches Gefühl für Raum und Zeit, denn die Tage sind für uns immer gleich und wir altern schließlich auch nicht mehr.“ Fiares Stimme klang nicht sehnsüchtig, wie ich erwartet hatte. Ich hatte eigentlich gedacht, dass sie sich nach dem Leben auf der Erde sehnen würde, aber anscheinend hatte ich mich geirrt. Sie schien mit ihrem Leben hier mehr als zufrieden zu sein. „Ihr seid seitdem keinen Tag älter geworden???“ Fiare nickte zustimmend. Dann trat Aora hinter sie und zupfte unauffällig aber bestimmt an Fiares Ärmel. Das Mädchen in den Netz-strümpfen nickte mir noch einmal zu und verschwand dann mit Aora. Tiades und ich blieben zurück. Nach einer Weile des Schweigens, wandte auch er sich zum gehen. Ich folgte ihm. Wir durchquerten ein Portal zur wirklichen Welt und landeten mitten in einer Einkaufspassa-ge. Tiades fuhr sich durchs Haar und seufzte schwer. „Die Portale werden auch immer ungenauer!“ Ich schwieg und folgte ihm, als er mit weit ausgreifenden Schritten durch die engen Gassen eilte, die vor Ständen und Tischen mit ange-botener Ware nur so überquollen. Plötzlich blieb er stehen, so abrupt, dass ich beinahe in ihn hineingerannt wäre. Ich konnte gerade noch den ungewollten Körperkontakt verhindern, als er sich zu mir umdrehte. Sein Blick glitt suchend über die vielen Menschen. Immer wieder traten sie durch mich hindurch, jagten ein Kribbeln durch meinen Körper. Tiades schien das gar nicht mehr mitzubekommen. Oder es machte ihm nichts aus, dass die Menschen durch ihn hindurch liefen, wie durch Nebelschwaden. ~ Wahrscheinlich hat er sich im Laufe der Zeit schon daran gewöhnt! ~ So weit wie ich es konnte, versuchte ich den Menschen auszuwei-chen. Plötzlich griff mich Tiades am Arm und zog mich mit sich. „Sie versucht zu fliehen!“, erklärte er, während wir durch die Gassen rannten. Und plötzlich konnte ich etwas spüren, eine schwache Aura. Und irgendwo vor uns verschwand ein Schat-ten, eine Silhouette. Man konnte keine Gesichtszüge erkennen, so dunkel war der neblige Schatten. Tiades schien ihn auch gesehen zu haben, denn er beschleunigte seine Schritte und griff außerdem an seine Seite und förderte ein Schwert zutage. Ich sog scharf Luft ein, als ich die breite schwarze Klinge sah. „Du wirst sie verletzen“, schrie ich. Tiades blieb stehen. Sein Griff an meinem Oberarm ver-stärkte sich und er sah mit kalten Augen auf mich hinunter. „Von Dingen, von denen du keine Ahnung hast, solltest du besser die Finger lassen!“, knurrte er und beugte sich tief zu mir hinunter. Seine Lippen bebten leicht, doch dann ließ er von mir ab und beeilte sich dem Schatten zu folgen.

20.11.10 21:38, kommentieren

Seelensammler I

Der Sommer, eigentlich heiß und unangenehm, war dem allmählich einsetzenden Regen gewichen, der zwar kühl, aber nicht eisig war. Es war der letzte Montag vor meinem Urlaub. Das Wetter heiterte mich zwar auf, denn es entsprach ganz und gar nicht dem, was alle Sonnenhungrigen erwartet hatten, aber ich genoss es den Regen auf meiner Haut zu spüren. Außerdem sorgte der Regen dafür, dass die hibbeligen Menschen nun ruhiger und besonnener wurden, wenn auch nicht unbedingt weniger nervig. Meine Melancholie ließ auch nicht lange auf sich warten und nicht nur einmal dachte ich daran, dass mein Leben vielleicht eine andere Funktion auf diesem Planeten hatte. Ich wurde das Gefühl einfach nicht los, dass das, was ich jetzt „Leben“ nannte, einfach nicht das war, was mir eigentlich vom Schicksal zugedacht worden war. Immerzu dachte ich darüber nach, was denn eigentlich der Sinn meines Seins war und kam wie immer zu keinem brauchbaren oder zufriedenstellenden Ergebnis. Manchmal fühlte ich mich in meiner Haut auch regelrecht falsch. Ein Gefühl, als würde das Leben das ich führte, nicht wirklich zu mir passen, es schlabberte an alles Ecken und Enden, zwickte hier und da, weil es zu eng war.

Wieder in Gedanken versunken, die den eben geschilderten beinahe genau entsprachen, stand ich am Bahnsteig. An dem Bahnsteig gegenüber stand eine hoch gewachsene Gestalt. Ein junger Mann, ganz in Schwarz gekleidet. Seine ebenso schwarzen Haare fielen in Strähnen in seine Stirn und seine hellen, blauen Augen beobachteten das Treiben am Bahnhof mit regem, nicht aber übermäßigem Interesse. Er trug ein schwarzes Hemd, das über seinen Hosenbund hinaus hing und dessen untere Knöpfe geöffnet waren, sodass man den hellen Gürtel sehen konnte. An seinem Ohr hing ein mystisch aussehender Ohrring. Ich bedachte die Gestalt mit einem kurzen Blick, weil sie nicht übermäßig interessant wirkte. Die Tasche, die über meiner Schulter hing, war schwer, denn in ihr befanden sich alte Bücher, die ich in einem Karton neben Mülltonnen gefunden hatte. Sie luden ihr Gewicht deutlich auf meine Schultern, die leicht schmerzten. Allmählich wurde es voller am Bahnsteig, die Menschen drängten sich dicht an dicht, achteten nicht auf ihre Mitmenschen. Nicht selten bekam ich eine Tasche in die Rippen oder einen Ellenbogen in die Seite. Meistens ignorierte ich das, denn ich wollte mir keinen Ärger einhandeln und die Menschen waren mir sowieso gleichgültig. Doch eine Frau ging mir gewaltig auf die Nerven. Ich stand schon vor dem weißen Streifen, der als Begrenzung des Bahnsteigs diente und eine stark geschminkte Frau musste sich dann noch vor mich drängen. Sie stellte ihren Koffer ab, schob mich mit ihrem Ellbogen nach hinten und zog sich eine Zigarette aus ihrer zerknüllten Packung. Ich schloss die Augen, machte ein paar Schritte zur Seite um ihr nicht im Weg zu sein. Der stinkende Qualm ihrer Zigarette zog zu mir rüber und ich rümpfte die Nase. Dann rückte sie wieder näher an mich heran. Diesmal so nah, dass ich nicht ausweichen konnte und ihren Ellenbogen, als sie sich auf diesem engen Raum ausgiebig streckte, voll in die Seite bekam. Ich zuckte zusammen, schlang die Arme um meinen Körper und drehte mich ein wenig zur Seite. Der Lautsprecher über uns knackte, dann verkündete der Bahnsprecher den einfahrenden Zug. Ich konnte die Gleise vibrieren spüren, dann erreichte eine kleine Gruppe von Grufties das Gleis und bahnten sich ihren Weg durch die Menschenmassen. Die Frau neben mir machte sich so breit, dass ein Mädchen in schwarzen Netzstrümpfen ihre liebe Müh hatte an ihr vorbei zu kommen. Bei dem Versuch rempelte sie mich versehentlich an. Ich verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen, konnte aber nicht verhindern, dass ich auf die Gleise stürzte. Im Fall sah ich noch, wie das Mädchen erschrocken aufschrie, mir ihre Hand reichte, die ich knapp verfehlte und wie der Zug immer näher kam, so nah, dass ich die Hitze spüren konnte. Die schweren Bücher zogen mich zusätzlich hinunter. Einige der Passanten erstarrten, hinter dem Mädchen erschienen zwei weitere und ein Junge, alle drei ebenfalls in ausgefallene schwarze Kleider gehüllt. Die geschminkte Frau neben mir hatte sich zur Seite gewandt und ihre Augen weiteten sich ungläubig. Neben ihr war niemand. Doch ich streckte die Hand nach dem Mädchen mit den Netzstrümpfen aus. Konnte sie das Mädchen etwa nicht sehen? Dann drang der Geruch von heißem Stahl an meine Nase. Ich kniff die Augen zusammen, machte mich auf den harten Aufprall auf den Schienen gefasst und wurde dann von einer gewaltigen Kraft mitgerissen, die plötzlich von vorn auf mich einwirkte. Ich wagte nicht die Augen zu öffnen, aus Angst, dass mich der Zug erwischen würde. Wenig später hörte ich, wie eine Männerstimme etwas in einer unbekannten Sprache sagte, dann rutschten wir über den kalten Betonboden. Ein Bein hatte sich zwischen meine geschoben, Arme hielten mich fest. Zögernd öffnete ich die Augen. Ich schielte durch einen schmalen Spalt und sah nur schwarz. Völlig überfordert schloss ich daraufhin wieder die Augen.

„Ist sie verletzt?“, fragte eine Mädchenstimme. Ich wurde hellhörig. Vorsichtig strichen Finger über meine Wangen, schoben meine Haare aus dem Gesicht. Instinktiv fegte ich die Hand beiseite, ergriff dann das Handgelenk der Person und drückte mit aller Kraft zu. Entschlossen öffnete ich die Augen. Vor mir kniete der hoch gewachsene junge Mann. Anscheinend hatte er mich gerettet, denn er war es, der mich mit seinem Körper gegen die kalte Bahnhofswand drückte und mich schützte. Die drei Mädchen, die mir am Bahnsteig aufgefallen waren, hockten hinter ihm. Jede sah mich besorgt an. Einzig der Junge stand und spähte hinüber zur anderen Seite, wo der Zug abfuhr.

„Bist du verletzt?“, fragte eine tiefe Männerstimme. Ich wandte zwar den Kopf und sah meinen Retter auch an, doch wirklich realisieren, was er zu mir gesagt hatte tat ich nicht. Er zog sein Bein zurück, ließ mich vorsichtig an die Wand gleiten, als er seine Arme zurückzog und sah mich eindringlich an. Das Mädchen mit den Netzstrümpfen näherte sich mir bis auf ein paar Zentimeter. Sie drückte sich gegen meinen Retter, der unbeweglich vor mir kniete.

„Das muss wohl der Schock sein“, mutmaßte das Mädchen. Ich sah sie aus teilnahmslosen Augen an. Instinktiv griff ich an meine Seite, nach meiner Tasche, doch sie war weg. Das versetzte mich nun doch in Panik. Ich richtete mich so abrupt auf, dass das Mädchen zurückzuckte und auf den Hintern fiel. Sie protestierte mit einem leisen Aufschrei. Ich drückte mich an den anderen vorbei und ließ meinen Blick suchend über den Boden gleiten. Und erst, als ich dann den Fahrkartenautomaten sah wurde mir bewusst, dass ich mich nicht mehr auf dem Bahnsteig befand. Ich fuhr herum und starrte die Fünf an.

„Wer seid ihr?“, kam die Frage wie aus der Pistole geschossen. Das Mädchen sah hilfesuchend zu dem Schwarzgekleideten. Dessen schmale Augen verengten sich noch ein Stück.

„Hast du es vergessen?“, fragte er anstatt mir eine Antwort auf meine Frage zu geben. Ich stemmte die Hände in die Hüften und sah ihm mürrisch entgegen.

„Vielleicht sollte ich doch die Polizei rufen“, schleuderte ich ihm meine Antwort entgegen. Und im gleichen Augenblick griff ich in meine Hosentasche und förderte mein Handy zutage. Ich klappte es auf und wählte eine dreistellige Nummer an, als eine Hand hervorschnellte, die mein Handgelenk packte. Ich brauchte nicht aufzusehen um zu wissen, wer das war. Allein die Ärmel des Hemdes erkannte ich an den Manschettenknöpfen.

„Tiades!“, rief das Mädchen mit warnender Stimme. Der Schwarzhaarige zuckte nicht zusammen, schien aber dennoch auf ihre Stimme oder zumindest auf ihre Stimmlage zu reagieren. Sein Griff lockerte sich zwar, doch er ließ mich nicht los.

„Wer seid ihr?“, fragte ich noch mal. Das Mädchen trat an uns heran, versuchte so Abstand zwischen mich und Tiades zu bringen. Seine düstere Erscheinung und sein gleichgültiges Gesicht machten ihn nicht gerade zu einem heiteren Menschen. Und wenn ich ehrlich war bezweifelte ich sogar, dass er ein Mensch war. Ich wandte meinen Blick dem Mädchen zu.

„Ich bin Fiare. Obwohl ich nicht so aussehe, bin ich Tiades´ Schwester“, erklärte sie und augenblicklich maß ich die beiden ungleichen Geschwister. Tiades war wirklich groß und mehr als gutaussehend. Auch Fiare hatte eine schöne Figur und ein ebenmäßiges Gesicht aus dem zwei große blaue Augen heraus stachen.

„Und was seid ihr? Stalker? Menschenhändler?? Drogendealer?“ Fiare runzelte die Stirn. Es schien beinahe so, als hielt sie mich für durchgeknallt.

„Wahrscheinlich doch der Schock“, murmelte ein Mädchen mit silbernen Haaren. Ich warf ihr einen missmutigen Blick zu.

„Um mich aus den Latschen zu hauen braucht es etwas mehr, als ein paar düstere Gestalten mit Galgenhumor“, bemerkte ich spitz. Tiades zuckte.

„Vielleicht braucht es auch nicht mehr, als die Tatsache, dass du…“, begann der Junge, der am Rand der Gruppe und Fiare sah ihn warnend an. Er verstummte auch sofort und ich musste grinsen. Er stand also völlig unter ihrem Pantoffel. Tiades wandte sich mir zu. Er schien wütend zu sein, denn seine Augenbrauen bildeten ein steiles V.

„…dass du tot bist!“, beendete er den Satz des Jungen und fing sich einen strafenden Blick von seiner jüngeren Schwester ein. Ihn schien das nicht zu stören. Er forschte in meinem Gesicht nach einer Reaktion auf die Tatsache, dass er mir eben erläutert hatte, dass ich angeblich tot war. Ich lächelte müde, nahm die Hände aus den Taschen und kickte einen Stein mit meiner Schuhspitze auf die Gleise.

„Und?“, fragte ich gleichgültig. Tiades´ Lid zuckte. Er schien wirklich entnervt zu sein. Fiare sah mich mit einem mitleidigen Blick an. Tiades hob die Hand, kam auf mich zu und ich erkannte auf seiner Haut ein Mal. Am Handgelenk. Es sah aus wie ein Kreuz, das auf dem Kopf stand. Unberührt betrachtete ich es. Fiare deutete auf meinen Nacken, ich fuhr mit der Hand über die Haut. Sie war heiß, gereizt. Ich vermutete, dass ich einen Kratzer davongetragen hatte, als mich Tiades gerettet hatte.

„Es ist unser Zeichen. Das Zeichen der Wächter der Nacht“, erklärte Fiare. Sie legte soviel Sanftheit in ihre Stimme, dass mir sofort aufging, was sie damit bezweckte. Sie wollte mir möglichst schonend beibringen, dass ich nicht mehr am Leben war. Tiades packte mich unwirsch am Handgelenk und zerrte mich mit sich.

„Tiades, was hast du vor?“, fragte der Junge hinter Fiare. Beide starrten dem Schwarzgekleideten wortlos nach, lösten sich dann irgendwann aus ihrer Starre und folgten uns.

„Tiades!“, rief er wieder. Ich warf einen Blick zurück zu den anderen, die uns folgten.

„Misch dich nicht ein, Karas!“, knurrte Tiades und eilte mit mir die Treppe hinauf. Dort oben wimmelte es von Menschen. Es war laut und bunt, so wie es sich für einen Bahnhof gehörte. Überall standen Passanten, Reisende irrten umher auf der Suche nach ihrem Gleis. Tiades ließ mich los. Ich rieb mir das schmerzende Handgelenk und betrachtete das wirre Durcheinander. Fiare, Karas und die anderen Mädchen blieben in einigem Abstand zu mir und Tiades stehen, als fürchteten sie einen Wutausbruch des hoch gewachsenen Mannes. Langsamen Schrittes entfernte ich mich von den anderen. Fiare warf Tiades einen vorsichtigen Blick zu um abzuschätzen, wann sie eingreifen musste. Sie spürte deutlich die Unruhe in der sich ihr Bruder befand. Wenngleich das auch selten vorkam, dass er eine Seele rettete und sie in die Zwischenwelt holte, schienen ihn diesmal Zweifel zu plagen.

„Meine Tasche!“, entfuhr es mir. Ich erkannte meine schwarze Tasche vor den Füßen eines Polizisten. Er hielt einen Notizblock in der Hand und notierte sich etwas. Ich trat an die kleine Gruppe heran, konnte aber nicht verstehen was sie sagten, obwohl ich sehen konnte, dass sich ihre Lippen bewegten. Einer der Polizisten machte so unerwartet einen Schritt zurück, dass ich nicht mehr ausweichen konnte. Ich hob die Arme vor die Brust und das Gesicht um mich zu schützen, da trat der Polizist in mich hinein und durch mich hindurch. Im ersten Moment erschrak ich nur, dann machte sich in meinem Bauch langsam ein mulmiges Gefühl breit. Jetzt realisierte ich, dass Tiades wirklich recht gehabt hatte. Ich taumelte zurück, griff nach dem Arm eines der Polizisten und griff hindurch. Fiare kam herbeigeeilt und zog mich von der Gruppe Polizisten weg. Jetzt konnte ich auch verstehen was sie sagten.

„…schrecklich, dass das passieren konnte! Zeugen haben gesehen, wie sie einfach das Gleichgewicht verloren hat und gestürzt ist. Da konnte man nichts mehr machen.“

„Können wir denn die Leiche bergen?“

„Der Zugverkehr wurde eingestellt und der Bahnsteig gesperrt. Die Spurensicherung und die Gerichtsmediziner sind auch schon unterwegs!“ Tiades kam dazu und zog uns von der kleinen Gruppe von Polizisten weg. Mein Gesicht war unbewegt, aber in meinem Innern herrschte ein heilloses Durcheinander. Tiades schwarzes Hemd bauschte sich auf, als er eiligen Schrittes mit Fiare und mir im Schlepptau wieder zu den anderen eilte. Um uns herum waren die Menschen lebhaft dabei ihre Reisen zu planen oder sich, wenn sie sich lange nicht gesehen hatten, zu unterhalten und die neuesten Informationen auszutauschen. Wir verließen den Bahnhof und blieben auf dem Vorplatz stehen. Der Wind frischte auf und fegte durch meine Kleider und mein Haar. Seit langer Zeit war es das erste Mal, dass ich den Wind wieder so intensiv spürte und es stimmte mich irgendwie glücklich, wenngleich ein anderes Gefühl die Oberhand gewann. Mutlosigkeit…

„Dann stimmt es also tatsächlich!“, murmelte ich verstört. Tiades verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Blick war bohrend. Und zum ersten Mal, seit vielen Monaten, spürte ich, wie eine Träne meine Wangen hinunter rann. Ich fing sie mit dem Finger auf, betrachtete sie eingehend, ehe sie auf dem Weg nach unten einfror und zu einem winzigen Eiszapfen wurde.

„Gefroren…“, dann verstummte ich und folgte den anderen schweigend.

 

Fiare zeigte mir mein Zimmer. Eigentlich waren es drei Zimmer, zwei Wohn- bzw. Schlafzimmer und ein Bad. Wir waren vom Bahnhofsvorplatz durch einen Riss, ein Portal in die Zwischenwelt, in den Palast Capricorn gelangt, der nach dem Sternzeichen Steinbock benannt wurde. Die Zwischenwelt war nicht viel anders als die wirkliche Welt, wenngleich man hier auch die Menschen der wirklichen Welt beobachten konnte. In der Zwischenwelt gab es auch Bäume und Felder, Seen und Dörfer. Das Einzige, was hier anders war, war die Tatsache, dass es keine Sonne in der Zwischenwelt gab, aber dafür drei Monde. Sie erhellten die Welt schwach aber ausreichend und versorgten außerdem die Paläste mit der nötigen Energie zum Selbstschutz. Capricorn war also ein lebendiges Gemäuer, riesig und wunderschön. Ein wahrer Meister musste es erbaut haben, denn es hatte tausende Türme und Zinnen, die Scheiben der Fenster waren getönt, wirkten von außen schwarz. Fiare und Karas hatten mich in mein Zimmer geleitet und waren anschließend verschwunden. Alles was sie noch gesagt hatten, war: Es ist besser, wenn du dich erstmal ausruhst. Und damit waren die beiden dann gegangen. Ich ließ mich auf das Bett sinken und ließ mich in die Kissen fallen. Zwei schwebende Lichtbälle erleuchteten das Zimmer kläglich. Lesen hätte ich hier nicht können. Selbst wenn es Licht gegeben hätte, meine Bücher waren mit meinem Leben verschwunden.

Nachdem ich eine Weile auf dem Bett gelegen hatte, fühlte ich mich in den Räumen, die man mir zur Verfügung gestellt hatte, mehr und mehr wie in einem Gefängnis. Ich öffnete eines der großen Fenster und drückte mich gerade auf den Fenstersims, als hinter mir die Türen aufgingen und Tiades das Zimmer betrat. Sein Blick fand mich und verdüsterte sich um einige Nuancen. Instinktiv ließ ich mich wieder ins Zimmer gleiten und stellte mich mit dem Rücken zum Fenster. Tiades ließ etwas auf mein Bett fallen. Ich sah an ihm vorbei und erkannte meine Tasche. Überrascht machte ich einen Schritt auf ihn und die Tasche zu.

„Eine Flucht wird dir hier nicht gelingen. Capricorn befolgt nur die Befehle, die ihm sein Herr gibt und solange das geschieht kannst du nicht fliehen. Du solltest dich also damit abfinden und dich endlich etwas erholen. Die kommenden Tage werden sicher nicht einfach“, erklärte er kalt und trat mir entgegen. Ich erstarrte. Tiades zeigte mir damit ganz deutlich, wie wenig er von mir hielt. Seine Abneigung verdeutlichte er, indem er die Arme vor der Brust verschränkte, und sein Gesicht sprach deutlich Verachtung aus. Das ärgerte mich und ich tat dasselbe. Ich zeigte ihm deutlich, dass ich ihn nicht mochte.

„Ich habe nicht darum gebeten“, erklärte ich unwirsch. Tiades blieb vor der Tür stehen, versperrte mir so den einzigen Ausweg. Seinem Gesichtsausdruck war zu entnehmen, dass er sich wieder sehr nah an einem Wutausbruch befand. Ich hatte zwar noch keinen erlebt, aber ich fürchtete ihn dennoch.

„Ich komme auch sehr gut ohne eure cleveren Ratschläge zurecht“, brummte ich und senkte den Blick. Tiades musste unwillkürlich Lächeln, doch das Lächeln gefror auf seinen Lippen, als er dann erkannte, dass meine Wut nicht nur ihm, sondern auch seiner Schwester und den anderen galt. Er machte nur zwei Schritte auf mich zu und ragte vor mir auf. Seine Nähe war so unerwartet und plötzlich, dass ich erschrocken zurückzuckte, wobei ich gegen das Fensterbrett stieß. Ich stöhnte unter Schmerzen auf. Tiades packte mein Kinn und drehte meinen Kopf so, dass ich ihn ansehen musste. Seine blauen Augen funkelten wie Edelsteine im schwachen Licht der Kugeln über uns. Sie blitzten zornig auf. Auch aus seinem Griff sprach deutlich, wie viel Mühe es ihn kostete, sich zu beherrschen.

„Es ist mir egal, was du über mich denkst…“, erklärte er mit belegter Stimme. „Meine Schwester hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, dir den Anfang hier so leicht und angenehm wie möglich zu machen. Deine Undankbarkeit ihren Mühen gegenüber ist wirklich erschreckend. Ich rate dir, dich ein wenig kooperativer zu verhalten, wenn du nicht Gefahr laufen willst, von den anderen Wächtern get…!“, er unterbrach sich, als er mein zorniges Gesicht bemerkte. Ich versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, doch er ließ nicht locker.

„Ich kann auf euer Mitleid verzichten. Nur euretwegen hänge ich in dieser Zwischenwelt fest.“ Tiades verzog angewidert das Gesicht.

„Du hast dein Schicksal schon vorher besiegelt. Du konntest mich sehen, bevor du von dem Zug erwischt wurdest. Gib uns nicht die Schuld für dein Versagen“, knurrte er. Meine Hand schnellte hervor und traf schallend auf seine Wange. Tiades´ Kopf flog zur Seite und er knurrte gefährlich. Er hob die Hand an die Wange und fühlte die heiße Schwellung. Ich hatte all meine Kraft in den Schlag gelegt und hatte erreicht, dass er mich losließ. Ich wich zurück, bekam ein schlechtes Gewissen und wollte an ihm vorbei, aus dem Zimmer fliehen, doch er hielt mich zurück. Seine Hand umschloss mein Handgelenk und er riss mich zu sich herum.

„Das war ein Fehler!“, knurrte er und rammte mich gegen die Wand. Ich schlug um mich, versuchte ihn zu kratzen und mich zu befreien, doch wenn er wütend war, hatte er anscheinend das Dreifache an Kraft. Er wehrte alle meine Schläge ab, fing meine rechte Hand, die ich in sein Gesicht geschleudert hatte, mühelos ab und fesselte beide Hände hinter meinem Rücken mit seiner linken Hand. Dann entfernte er sich mit mir von der Wand und sah gleichgültig auf mich hinunter. Seine Wange war immer noch rot gefärbt. Ich begann erneut mich zu wehren, versuchte mein Knie zwischen seine Beine zu rammen, doch er wich mir aus. Beinahe spielerisch wand er seinen Körper und entkam meinen Attacken ohne Probleme. Ich spürte, wie meine Kräfte langsam wichen, dann plante ich meine Schläge genau. Ich riss meine Hand los, holte aus und traf Tiades´ Gesicht, obwohl er versuchte mir auszuweichen. Meine Fingernägel hinterließen blutige Striemen auf seinem Gesicht und sein Kopf flog herum. Sein Blick, plötzlich wild und unbeherrscht, bohrte sich in meinen und ich ließ die Hand sinken, die ich erneut zu einem Schlag gehoben hatte. Tiades Hand legte sich um meinen Hals und drückte zu. Ein unangenehmes Gefühl der Enge und des Luftmangels stellte sich ein, meine Glieder wurden schwer und mit einem Mal war meine Kraft verschwunden.

„Dafür wirst du büßen“, zischte er. Ich erkannte ihn nicht wieder. Am Bahnhof hatte er noch so viel Ruhe und Gleichgültigkeit ausgestrahlt, dass ich angenommen hatte, dass man ihn nicht zum Narren halten konnte.

Jetzt sah er wütend auf mich hinunter, angestachelt durch meinen Protest und gereizt durch die Schläge ins Gesicht. Seine Hand um meinen Hals schnürte mir die Luft ab und brachte mich dazu, nach Luft zu schnappen. Tiades nutzte das aus, näherte sich meinem Gesicht und presste seine Lippen weniger sanft als brutal auf meine. Ich wollte aufschreien, doch mein Schrei ging unter und kam nur gedämpft zwischen unseren Lippen hervor. Seine Hand, die immer noch um meinen Hals geschlossen war, lockerte ihren Griff und glitt schließlich von meinem Hals ab. Meine Hände, die ich in sein schwarzes Hemd gegraben hatte, glitten langsam von diesem ab und fielen wie leblos an meine Seite. Der schwach erleuchtete Raum, in dem wir uns befanden, war eine wunderbare Kulisse, um das Geschehen mehr wie einen schlechten Traum wirken zu lassen als wie die Realität, doch Tiades´ Kuss vermochte mich nicht in andere Sphären zu heben, denn er war sehr schmerzhaft. Doch nach wenigen Sekunden wurde sein Kuss sanfter, seine Lippen lagen zwar immer noch schwer auf meinen und übten einen fordernden Druck aus, doch seine Hand, die sich mittlerweile auf meine Taille gelegt hatte, zog mich noch an ihn, verursachte aber keine Schmerzen mehr. Dann spürte ich seine Zunge, wie sie gegen meine geschlossenen Lippen stieß und Einlass forderte. Ich versuchte den Kopf zur Seite zu drehen, um mich von ihm zu lösen, doch er ließ keinen Protest zu, stieß seine Zunge in meinen Mund und erstickte meinen aufkeimenden Protest im Keim. Seine schwarzen Haare fielen in mein Gesicht, kitzelten mich, und je länger der Kuss andauerte, desto schlaffer wurde ich in seinen Armen. Plötzlich schmeckte ich etwas Bitteres. Erschrocken riss ich die Augen auf, Tiades sah mich an. Er löste sich von mir und nahm ein paar Schritte Abstand. Ich griff mir an den Hals, denn was immer ich auch geschluckt hatte, es schien mir noch in der Kehle zu stecken. Ich röchelte, versuchte es herauszuhusten und spürte, wie ich es dann einfach hinunterschluckte. Tiades´ Blick war undefinierbar und als ich dann in die Knie brach, kam er zu mir, hob mich hoch und bettete mich in die vielen Lake des Bettes.

„Schlaf!“, wies er mich an, als mir die Augen zufielen.

 

 

2 Kommentare 20.11.10 21:42, kommentieren